Tanzen

 

Der Tanz ist eines der ältesten Rituale der Menschheit. Auf der ganzen Welt wird getanzt. Tanz ist Ausdruck von Lebensfreude, von Energie und Lust. Er kann uns mit tiefen Gefühlen in Kontakt bringen, uns unseren Körper stärker spüren lassen, uns in eine wortlose und sehr ehrliche Kommunikation mit unserem Gegenüber bringen und uns mit dem Göttlichen in uns und der ganzen Schöpfung verbinden.

Der Tanz ist etwas Heiliges, denn er hat die Kraft, uns in eine Ganzheit zurückzuführen, die das Universum in uns zum Vorschein bringt. Nicht umsonst wird Tanz in der Therapie eingesetzt und die Schamanen der Welt nutzen ihn in ihren Ritualen, um sich mit der universellen Heilkraft zu verbinden oder Antworten zu finden.

 

 

Wie können wir es schaffen, heilenden Tanz in unser Leben einzuladen, ein Leben, das wenig Raum dafür aufweist und womöglich geprägt ist von Wäsche waschen, Kinder herumkutschieren und beruflichem Erfolg? Vielleicht tut uns auch gerade alles weh und wir fühlen uns viel zu erschöpft, zu unbeweglich, zu krank, zu traurig oder halten uns schlicht für zu untalentiert, um zu tanzen. Mit Tanz geht häufig die Vorstellung einher, dass es „schön“ aussehen soll, „richtige“ und teilweise komplizierte Schrittfolgen erlernt und dafür möglicherweise auch noch teure oder zeitintensive Kurse besucht werden müssen. Ein scheinbar schwieriges Unterfangen. 

 

Vergessen Sie alles, was Sie bisher über Tanz gedacht, gehört und gesehen haben. Hier geht es nicht um reglementierten Tanz, es geht um Ihren Tanz des Lebens, um Ihren sich frei bewegenden, fließenden Körper, der getragen wird vom Rhythmus der Musik. Es geht darum, dass Sie durch den Tanz wieder beginnen, sich zu spüren, zu entdecken und wahrnehmen zu können, wieder beginnen, sich selbst und die Bewegungen Ihres Körpers zu genießen. Dieser heilsame Tanz ist wie ein sinnlicher Akt der Liebe mit sich selbst. Sie brauchen dafür kein Gegenüber und keinen Tanzkurs. Das einzige, was Sie brauchen, ist Musik, die Ihnen gefällt und ein kleines bißchen Mut für den ersten Schritt. Wenn Sie aktuell nicht stehen können, dann tanzen Sie sitzend mit den Körperteilen, die Sie bewegen können. Man kann auch mit den Händen tanzen oder den Fingern, das klappt sogar im Liegen.

 

Für mich ist der freie Tanz eine Möglichkeit, mich selbst von angestauten Emotionen zu befreien, meine Energien zu klären und wieder in meine Kraft zu kommen. Gerade, wenn eine Situation schwer war und viel Kraft gekostet hat, erdet mich die Kraft aus dem wilden Tanz. Dabei überlasse ich es meinem Körper, zu entscheiden, was er jetzt gerade machen möchte und braucht. Ich rolle über den Boden, springe in die Luft, drehe oder schlängle mich, je nachdem, für ein Impuls in mir auftaucht. Machmal tanze ich mit Musik, manchmal auch ohne. Es ist dann, als würde die Energie in mir selbst schwingen und sich ihren Weg aus meinem Körper bahnen. Danach geht es mir wieder gut und ich bin bereit für die nächste Aufgabe. 

 

Einfach tanzen

Schalten Sie Ihre Lieblingsmusik ein und lassen Sie die Töne Ihren Körper finden. Erspüren Sie die Bewegungsimpulse und geben Sie ihnen nach. Ganz gleich, wie das aussieht. Lassen Sie Ihren Körper sich selbst tanzen. Mal sind es ganz kleine Bewegungen, mal sind sie groß und weiträumig, ganz wie es Ihnen beliebt. Biegen, winden und schütteln Sie sich, springen, drehen, rollen, wippen und stampfen Sie. Tanzen Sie mit Ihrem ganzen Körper. Tanzen Sie mit Ihrem Herzen, tanzen Sie sogar mit Ihrer Leber. Tanzen Sie, bis Sie das Gefühl haben, nicht mehr zu können. Dann lassen Sie sich auf die Couch oder den Boden sinken (wenn Sie im Sitzen getanzt haben und es Ihnen schwer fällt, sich auf den Boden zu legen, dann bleiben Sie sitzen und kommen einfach hier zur Ruhe). Strecken Sie sich lang aus und spüren Sie Ihren atmenden Körper. Fühlen Sie Ihren wilden Herzschlag und wie er sich langsam beruhigt. Spüren Sie Ihre erschöpften und gut durchgewärmten Muskeln. Bleiben Sie so lange liegen, bis Ihr Körper wieder vollständig zur Ruhe gekommen ist. Dann rollen Sie sich langsam auf die Seite und kommen Sie über die Seite ins Sitzen hoch. Stehen Sie anschließend langsam auf, damit Ihr Kreislauf Ihnen folgen kann.

 

Erweiterung: Sie können für sich den Tanz auch als Ausdruck Ihrer Stimmungen nutzen. Tanzen Sie so, wie Sie sich gerade fühlen. Wenn Sie sich traurig, schwach und müde fühlen, tanzen Sie die Traurigkeit, Müdigkeit oder Schwäche. Wenn Sie ärgerlich sind, tanzen Sie die Wut und den Ärger. Wenn Sie sich glücklich und voller Freude fühlen, tanzen Sie die Freude und das Glück. Es kann hilfreich sein, sich verschiedene Musikstücke für unterschiedliche Stimmungen zurechtzulegen.

 

 

Immer mal wieder zwischendurch auf diese Art zu tanzen, ist ein natürlich wirksames Antidepressivum. Ihre sonst unterdrückten und angestauten Gefühle werden ausgedrückt und in Fluss gebracht. Dadurch können sich nicht mehr so in Ihnen verfestigen. Außerdem regt diese Bewegung biochemische Prozesse in uns an, die Endorphine freisetzen, was wiederum unsere Laune hebt.

 

(Auszug aus meinem Buch "Seelenstärke. Der achtsame Weg zu unserer inneren Kraftquelle" - Goldmann-Verlag)

Foto: Chris Göttert

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