Achtsam durch die Rauhnächte

Bald beginnt sie wieder, die zauberhafte Rauhnachts-Zeit - ein besonderer Brauch, die Weihnachtszeit beginnend mit der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember bis zum Übergang zum Heiligen-Drei-Königs-Tag rituell zu genießen. Schon von Kind an war diese Zeit für mich magisch und auch wenn ich als Kind noch nichts über diese Zeit wusste, fühlte es sich immer für mich an, als würde es diese Zeit eigentlich nicht geben, wie eine gefühlte "Nichtzeit". Eine Zeit zwischen der Zeit. Weihnachten war vorüber, damit war die Luft auch irgendwie raus, aber es war noch nicht Zeit für was Neues. Alles war so still, so schläfrig, wie im Zauber.

 

Was sind die Rauhnächte und worum geht es?

Die Rauhnächte – auch Rauchnächte genannt – beginnen am 25. Dezember und gehen bis zum 6. Januar. Manche beginnen auch schon am 21. Dezember zur Wintersonnenwende. Es gibt verschiedene Auslegungen und Bräuche, wie die Rauhnächte begangen werden. Sie entstanden durch die Zusammenlegung des Mond- und Sonnenkalenders. Seit jeher wurde in dieser Zeit orakelt, gebetet und sich alte Weisheitsgeschichten erzählt und nach einem langen arbeitsreichen Jahr Ruhe gehalten, während die Stürme und die wilde Jagd über das Land zog und man besser im Haus am warmen Feuer blieb. Dieser Brauch ist in Fragmenten noch bis heute überliefert. Viele nehmen sich in dieser Zeit Urlaub, verschnaufen, auch wer noch arbeiten geht, lässt es meist langsamer angehen und auch die Schulferien enden meist erst mit den Heiligen Drei Königen. Jeder Tag wird einem Monat des Jahres zugeordnet und das Wetter, die nächtlichen Träume, Visionen und auch Orakelkarten gedeutet, um eine Vorausschau für das nächste Jahr zu haben. Räucherungen, Gebete und gute Wünsche sollen die Götter gnädig stimmen.

 

Altes wieder neu entdecken

In der heutigen Zeit, in der viele von uns eine gefühlte Abtrennung von der Natur und den natürlichen Rhythmen des Lebens empfinden, kann uns die zeitgemäße Wiederbelebung alter Überlieferungen wieder mehr Ruhe und Verbundenheit schenken. Uns wieder verwurzeln in unserem Leben, mit seinen natürlichen Zyklen und uns helfen, mit unserer natürlichen Kraft und den Schwankungen zu gehen, uns zu nähren und unsere Kraft zu erhalten, statt gegen uns und die Natur zu arbeiten und uns daran zu erschöpfen.

 

Was mir diese Zeit bedeutet

Es ist eine für mich gefühlt stille Zeit – ein Niemansland zwischen einem Ende und einem Anfang - eine kleine Atem-Pause, in der ich persönlich auch am liebsten für mich bin und sinniere, spazierengehe, schreibe und sehr intensiv träume. Sylvester steht an und irgendwie drängte es mich zu reflektieren und mich mit Wünschen und Danksagungen zu beschäftigen. Dies hab ich dann mit der Zeit ritualisiert und auch das Wissen um die Zeit kam dann mit dazu und gab einfach noch eine weitere Tiefe.

 

Für mich ist dies nun eine Zeit, in der ich mich gerne zurückziehe und mich mit mir in Klausur begebe. Rückschau halte, Altes in Würde abschließe und mit auf die neuen Samen des Jahres ausrichte. Über diese Klausur habe ich in den letzten Rauhnächten Nacht für Nacht ein Buch zu den jeweiligen tagesaktuellen Erlebnissen und den Meditationen und Ritualen geschrieben, die ich selbst zelebriere.

 

Die Reise durch die Rauhnächte gleichen einer Reise durch den Jahreskreis. Jeder der 12 Raunhächte ist einem Monat und den Jahreszeiten zugeordnet, denen wir auch in unserem Leben nachspüren und uns mit den Abläufen der Stirb- und Werdeprozesse vertraut machen können.

 

Was diese Zeit uns schenken kann

Diese Zeit läd uns ein zur Ruhe zu kommen, tief zu regenerieren, uns selbst wieder mehr spüren zu lernen und unserer inneren Stimme zu lauschen. Stille, Langsamkeit, Muße und Zeit helfen dabei sehr. Achtsamkeits-Meditationen, einfache Rituale wie Räucherungen und kleine Feuer- oder Kerzenrituale sowie Natur-Begegnungen und Spaziergänge zu Kraftplätzen, unterstützen uns sehr in diesem Prozess. Sie verbinden uns wieder mit dem großen Ganzen, wir können uns wieder als spirituelle eingebundene Wesen erleben, umgeben von grundlegend Heiligem. Das immer da ist, immer da sein wird, in uns ist und in jedem Wesen der Natur aufscheint. Manchmal verlieren wir in unserem geschäftigen und oft städtisch geprägten Alltag unseren Bezug zum Göttlichen. Die Rauhnächte können uns helfen, uns wieder mit uns und dem göttlichen Licht in uns allen wieder zu verbinden.

 

Wie Du diese Zeit verbringen kannst

Du kannst diese Zeit in Klausur/Rückzug mit Dir verbringen, entweder bei Dir zu Hause oder an einem anderen schönen Ort, an dem Du Dich wohl und geborgen fühlst. Doch auch wenn Du arbeiten oder Deine Familie versorgen musst, kannst Du die Rauhnachtszeit für Dich nutzen. Finde dann einfach für Dich Nischen, in denen Du für Dich sein kannst. Der frühe Morgen beispielsweise, wenn Deine Familie noch schläft oder der Abend, wenn die Kinder im Bett und der Partner/die Partnerin vielleicht noch vor dem Fernsehen sitzt, eignen sich dafür wunderbar – gerade in der Stille der Dunkelheit erwacht unsere innere Stimme. Verbringe diese Zeit mit Meditationen, Gebeten, Spaziergängen und schöner Musik. Du kannst Dir selbst was Gutes tun, baden oder in die Sauna gehen, Tagebuch schreiben, Dein Jahr revue passieren lassen, Altes bewusst in Frieden abschließen und Wünsche für das Neue Jahr in Dir wachsen lassen. Vielleicht magst Du auch etwas Räucherwerk verglimmen lassen oder gar Deine ganze Wohnung ausräuchern. Tu was immer für Dich gut ist. Genieße die Stille, die Dunkelheit und auch den sanften Schein der Kerzen, die Dir selbst in der dunklen Zeit eine Ahnung des Neuen Lichtes geben können.

 

Auch im Verborgenen kannst Du die Rituale zelebrieren

Auch wenn Dein Umfeld wenig Verständnis für Dich hatt und eher mit Spott und Häme auf Dein Vorhaben reagieren würden, kannst Du die Rauhnächte für Dich zelebrieren. Generationen von Menschen jedweder Ausrichtung haben im Verborgenen praktiziert. Sei einfach unauffällig. Es geht weniger darum, was man nach außen sichtbar tut, sondern es geht um das innere, worüber man sich Gedanken macht und mit welcher Intention wir Handlungen ausführen. Unsere Intention macht aus einer alltäglichen Verrichtung ein Ritual – ohne dass es dem Betrachter auffällt. Beispielsweise: Nimm ein Bad – zum Ritual wird es, wenn Du Dir vorstellst, wie es Dich energetisch reinigt. Zünde eine Kerze an – zum Ritual wird es, wenn Du einen Wunsch in die Kerze hinein gibst und sie mit dieser Intention anzündest. Von außen machst Du nichts Ungewöhnliches. Du badest oder duscht – wie immer. Du zündest Kerzen an – wie häufig in der dunklen Jahreszeit. Du sitzt für einen Moment still in Deinem Lesesessel, hast vielleicht die Augen geschlossen und es sieht aus als würdest Du dich entspannen oder schlafen, dabei meditierst du gerade oder betest. Du stellst einen Blumenstrauß oder ein Gesteck auf ein Beistelltischchen und zündest davor eine Kerze an. Vielleicht stellst Du noch ein Bild von deiner lieben Oma oder legst einen schönen Stein dazu. Das dies für Dich ein Altar ist, braucht keiner wissen – es sieht von außen wie Deko aus.  Es braucht keiner wissen, was Du tust.

 

Vorbereitungen treffen

Damit Du die Rauhnächte gut nutzen kannst, empfehle ich Dir diese Zeit ein wenig vorzubereiten.

1. Ordnung schaffen und Verbindlichkeiten bereinigen

  • Versuche bis zum Heiligen Abend möglichst
  • alle Schulden zu begleichen, Geliehenes zurückzugeben, alle offenen Versprechen einzulösen oder Projekte abzuschließen und
  • alles zu entsorgen oder zu verschenken, was Du nicht mehr brauchst.
  • Lüfte kräftig und putze gründlich durch.
  • Wasche noch bis dahin angefallene Kleidung und
  • repariere, was möglich ist.


2. Lebensmittel und Ritualbedarf einkaufen/heraussuchen:
Besorge einen guten Vorrat an Teelichtern, Kerzen und Räucherwerk: insbesondere getrockneten weißen Salbei, der zumeist als kleine oder größere Räucherbündel, sogenannte „Smudge-Sticks“, erhältlich ist. Gut geeignet sind auch Palo Santo, echter Weihrauch, Rosenblätter, Lavendelblüten, Rosmarin, kleine trockene Tannenzweige, Wacholderzweige und –beeren sowie Lorbeerblätter.

Für das Räuchern benötigst Du außerdem Räucherkohle und ein Räucherstövchen oder -pfännchen mit Stiel oder alternativ eine feuerfeste Schale, die mit etwas Sand befüllt auf einem hitzebeständigen Teller steht. Der Stiel oder der Unterteller ermöglichen, das Räuchergefäß durch die Räume zu tragen, ohne sich an dem heißen Räuchergefäß die Finger zu verbrennen. Du kannst auch natürliche Räucherstäbchen benutzen, deren Duft Du angenehm findest.
 
Besorge Dir auch noch eine Packung Meersalz, eine angenehme Auswahl von natürlichen reinen ätherischen Ölen wie echtes Rosen-, Orangen- oder Lavendelöl, außerdem kleine Teller, Schalen oder auch Weidenkörbchen für Speisenopferungen in der Natur sowie Glaswindlichter oder Laternen, in denen Du gefahrlos Kerzen brennen lassen kannst. Hab auch ein paar Äpfel, Nüsse und Kerne im Vorrat.

3. Richte Dir einen Meditationsplatz und Altar ein
an dem Du Dich geborgen und wohl fühlst und Du Dich zu jeder Zeit ungestört an diesem Platz zurückziehen kannst. Mach es Dir dort kuschelig gemütlich, mit einer warmen Unterlage, einem Meditationskissen, -bänkchen oder -hocker oder einem Stuhl (je nach körperlichen Möglichkeiten) und einer warmen Decke zum Umlegen. Außerdem richte Dir dort auch einen kleinen Altar ein. Dieser Altar soll für diese Zeit Dein Kraft- und Ritualplatz sein, an dem Du Blumen, Kerzen und Räucherwerk sowie alles andere aufstellen kannst, was Dich daran erinnert,  mit einer wohlmeinenden Segenskraft verbunden zu sein. Du kannst den Altar auch auf einem tragbaren Tablett arrangieren und ihn dahin tragen, wo Du Dich gerade aufhältst.

4. Kraftplätze finden
Mach vor den Rauhnächten einen Orientierungsgang durch das Naturgebiet, in dem Du gerne Natur-Meditationen oder auch Rituale durchführen magst, und such nach ein paar schönen Plätzen. Wo stehen Apfelbäume, wo Holunderbüsche und wo gibt es einen gemütlichen Platz unter einem Baum oder auf einer Bank mit einem schönen Blick? Finde Deine persönlichen Kraftplätze.

5. Leg Dir ein kleines Notizbuch zu
in dem Du Deine Beobachtungen und Gedanken aufschreiben kannst.

6. Informiere Deine Familie/PartnerIn
das dies eine Zeit ist, in der Du Dich immer mal wieder zurück ziehst und dann auch möglichst nicht gestört werden möchtest. Solltest Du Dich zu einer richtigen Klausur zurückgezogen haben, fern von Familie und Arbeit und es Personen geben, die sich Sorgen machen könnten, oder mit denen Du immer mal wieder Rücksprache halten musst, dann vereinbart feste Telefonzeiten oder ähnliches.

7. Finde für Dich gute Praxiszeiten
in denen Du meditieren, sinnieren, spazieren und kleine Rituale ausführen kannst. Überlege schonmal wann Du diese Zeiten gut in Deinen Tagesablauf integrieren kannst, gerade wenn Du arbeiten gehen musst oder Dich um Deine Familie kümmern musst. Das kann der frühe Morgen oder der Abend sein, wenn es wieder dunkel geworden ist. Aber auch während des Tages (z.B. einen Spaziergang machen).

 

 

Lass Dich begleiten

Es kann sehr schön sein, sich in dieser Zeit ein bißchen begleiten zu lassen, sei es durch ein Buch, CDs oder einen Kurs. Dies gibt meist dem eigenen Erleben mehr Tiefe und Stuktur. Aus diesem Grund hab ich in den letzten Rauhnächten Nacht für Nacht mein eigenes Retreat für Dich aufgeschrieben, mit allen Übungen, Meditationen, Reflektionsanregungen, Beobachtungen und Ritualen und in meinem Buch "Achtsam durch die Rauhnächte." zusammengefasst. Da ich selbst gerne auch mit Anleitungen und Sprache begleitet werde, habe ich – angelehnt an mein Buch – zusätzlich noch ein frei gesprochenes Rauhnachts-Audio-Seminar für Dich aufgenommen, in dem Du jeden Tag von mir mit einer halbstündigen Einheit durch die jeweilige Tagesqualität mit Meditation und Ritualvorschlägen begleitet wirst. So begleite ich Dich mit meiner Stimme durch Dein persönliches Rauhnachts-Retreat. (Alle Infos dazu findest Du unter der Verlinkung.)

 

Ich freue mich sehr, wenn wir diese Rauhnächte gemeinsam verbringen!

 

Jetzt wünsche ich Dir

von ganzem Herzen eine wundervolle Weihnachtszeit,

liebevolle Momente mit Dir und anderen,

zauberhafte Rauhnächte und einen für dich stimmigen und heilsamen Prozess.

 

Ich wünsche Dir, dass Du tiefe Ruhe, Frieden und Nährung findest,

Dir selbst wieder ein Stückchen näher kommst und

damit anderen auch wieder freudvoll und offen begegnen kannst.

Mögest Du in Liebe mit Dir und anderen verbunden sein,

Mögest Du Dich sicher und geborgen fühlen,

Mögest Du glücklich, gesund und in Frieden sein.

Deine Maren :-)

 

 

Deine Begleitung für die Rauhnächte:



Institut für Achtsamkeit Düsseldorf

Maren Schneider • Bahlenstr. 42 • 40589 Düsseldorf

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