Alles hat seine Zeit

 

Heute ist Herbst-Tag- & Nacht-Gleiche. Der Sommer hat sich in den letzten Tagen bereits schon langsam verabschiedet. Das Licht ist weich, golden. Der Morgen und die Nacht kühl. Gestern zogen hier die ersten Nebelschwaden durch den Wald. Es wird geheimnisvoll. Auch ich werde gemütlicher. Während ich früher meinte immer gleich kraftvoll sein zu müssen, genieße ich mit den Jahreszeiten und ihrer Energie zu gehen. Mit Energie meine ich das, was sie in uns als natürliche Wesen macht. Wir reagieren auf die Stirb und Werde-Prozesse der Natur und dem damit einhergehenden An- und Abstieg der Kräfte in uns. Nichts für Ungeduldige und Kontrollfreaks. Wer Hingabe in sich kultivieren mag, der hat in der Natur eine weise und unbestechliche Lehrmeisterin. Sie bringt uns in die Unmittelbarkeit des Augenblicks, mit allem, was er für uns bereit hält. Für mich ist dies natürlich gelebte Achtsamkeit.

 

Frühling, Sommer, Herbst und Winter bestimmen unseren Jahreskreis, bestimmen unser Leben. Sie sind nicht nur rein kalendarische Ereignisse oder etwas, was sich nur in Reifen- und Garderobenwechsel abspielt. Unser Leben ist von Geburt an diesen Zyklen auch in uns unterworfen. Stirb und Werde. Immer wieder von Neuem. In unserem Leben, in unserer Arbeit, in unserer Liebe, im Heranwachsen unserer Kinder und in unserer Kraft.

 

So erinnert uns der heutige Tag an das Ende des Sommers. Mehr als die Hälfte des Jahres ist nun schon Vergangenheit. Wie haben wir die Zeit erlebt? Haben wir die winterliche Vorbereitungs- und Wartezeit des jungen Jahres gut überstanden oder sind wir vorschnell losgeprescht und sind dann die Vorhaben in der Kälte des Jahres erfrohren? Haben wir uns verabschieden müssen, von so mancher Idee, die sich über den Winter hoffnunsvoll gebildet hat? Wie ist das Frühjahr verlaufen? Voller aufstrebender junger Kraft oder eher müde und anstrengend (so war es ehrlich gesagt bei mir)? Dann ging der Sommer los, freudvolle Stunden am See, Eisbecher und Fahrradtouren? Vielleicht auch ein Sommerurlaub, draußen schlafen, Sterne gucken, Lagerfeuer machen, die Liebe feiern?

 

Mit dem Schnitterfest Anfang August begann die Erntezeit. Brombeeren, Himbeeren und nach und nach wurde auch der Holler reif mit seinen dunklen schwarzen Beeren. Die Hochzeit des Jahres neigte sich schon unmerklich. Welche Früchte wurden bei Dir reif? Was konntest Du schon ernten von der Saat des Frühlings? Doch manches braucht noch Zeit. So ist das Jahr noch längst nicht fertig. Es ist nur wieder eine Etappe erreicht.

 

Tag und Nacht sind nun für wenige Tage fast gleich lang, doch unaufhaltsam wird das Licht nun durch die Dunkelheit abgelöst. Ein guter Moment heute bewusst inne zu halten. Einen langen Spaziergang zu machen. Die sich schon verändernden Düfte und das Licht wahr zu nehmen, Kastanien und Eicheln zu sammeln, vielleicht auch ein paar Zweige mit buntem Laub und Dir zuhause einen kleinen Herbst-Dankbarkeits-Altar zusammen zu stellen. Wofür bist Du dankbar? Was war schön? Was füllt Deine Fülle, die Du jetzt erlebst? Vielleicht magst Du heute auch ein paar Minuten inne halten und statt sofort das Licht anzumachen wenn es dämmrig wird, die Dämmerung, das Schwinden des Lichtes bewusst erleben. Bleibe sitzen, vielleicht sogar draußen, wenn Du auf dem Rückweg nach Hause bist. Sitze und atme mit der Natur. Höre die Geräusche. Es wird dunkel und es darf so sein.

 

Ich wünsche Dir heute von Herzen eine wunderschöne bewusste Tag und Nachtgleiche und einen gemütlichen Übergang in die dunklere regenerative Zeit des Jahres.

 

Deine Maren